Wenn Käse zur Leidenschaft wird…. oder wie Sie Ihr Fett weg kriegen
Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch, das und auch die Liebe zum Käse habe ich mit dem großen Italiener und bekanntesten Liebhaber aller Zeiten gemeinsam: Giovanni Giacomo Casanova wollte ein wie auch immer geartetes Käselexikon verfassen.
Er ist – wen wundert’s - nicht dazu gekommen, weil ihm der Genuss in jeder Lebenslage bekanntermaßen wichtiger war. Liebe geht halt durch den Magen. Er begnügte sich damit, Ratschläge und Rezepte rund um den Käse in seine Memoiren einzuflechten. Und ich schreibe heute diese Zeilen.
Die alten Griechen hielten Käse für eine Gottesgabe. Im antiken Rom hieß „mein Schätzchen“ auch „meus molliculus caseus“. Die Herzallerliebste als „Kuschelkäselein“ zu bezeichnen, zeigt die damalige hohe Wertschätzung und den Genusswert von Käse. Vielleicht sollte auch auf helle Haut und weiche Formen angespielt werden? Seinerzeit jedenfalls war Käse derart begehrt, dass 301 n. Chr. Kaiser Diokletian Höchstpreise festlegen ließ, um den Wucher zu unterbinden. Der römische Kaiser Antonius Pius soll sogar am übermäßigen Genuss des von ihm so geliebten Käses gestorben sein. So weit wollen wir es nicht kommen lassen, aber die Käse der Käsestraße sind für leidenschaftliche Menschen eine echte Herausforderung und eine ideale Möglichkeit, „ihr Fett weg“ zu bekommen, womit ich nicht meine, dass sie sich ideal zum Abnehmen eigneten - leider.
Und da wären wir schon beim Thema. „Butter und Sahne haben noch nie ein Essen verdorben“ pflegte meine – sehr schlanke – Großmutter immer zu sagen, wenn sie uns Leckeres, mit Käse Überbackenes vorsetzte, von inhaltsreichen, frischkäsehaltigen Süßspeisen einmal ganz zu schweigen. Käse ist zugegebenermaßen eine fetthaltige Angelegenheit – nur nicht alles, was fett aussieht, schlägt auch mit einem entsprechenden Kalorienwert zu Buche. Hier kommt es darauf an, wie feucht ein Käse ist, sprich, welchen Wassergehalt er hat. Je trockener, desto mehr Fett ist drin und umgekehrt. Denn der angegebene Fettgehalt wird in der Trockenmasse (i.d.Tr.), also ohne Wasseranteil gemessen. 100 Gramm Weichkäse von verführerisch cremiger Konsistenz mit üppigen 60 Prozent Fett i.d.Tr. (Doppelrahmstufe) enthalten rund 70 Prozent Wasser (Faktor 0,3) und bringen ganze 18 Gramm Fett auf Ihr Kalorienkonto (60 Fettprozente x 0,3=18g Fett); dieselbe Menge an Hartkäse wie Parmesan (Vollfettstufe) mit „nur“ 45 Prozent Fett i.d.Tr. bei einem Wassergehalt von 56 Prozent (Faktor 0,7) schlägt sich mit fast doppelt soviel Fett auf Ihre Hüften nieder (45 Fettprozente x 0,7=31,5 g). Klar? (Bei mir hat’s auch lange gedauert…)
Bevor Ihnen der Schädel raucht, lassen Sie’s lieber. Denn bei soviel Rechnerei wird schnell vergessen, dass Käse dem Genuss dient und der ist Gott sei Dank so individuell wie die Käsevielfalt in Schleswig-Holstein groß ist; nicht die Menge macht’s, sondern der Geschmack und Fett ist nun mal ein wesentlicher Geschmacksträger.
Ich für meinen Teil lasse lieber die Butter weg, schneide den harten Käse etwas dünner und genieße das Geschmackserlebnis. Verfahren Sie doch einfach genauso.
Von Dr. Bärbel Habbe, freiberufliche PR-Beraterin und Vorstandsmitglied der KäseStraße S.H. e.V.
